Terrarium und Technik


Morelia Viridis / Baumpython Terrarium
Auf diesem Bild ist mein Schlangenraum zu erkennen. Durch den sehr begrenzt vorhandenen Platz mussten alle Terrarien genau an den Raum angepasst werden und trotzdem den Ansprüchen der Tiere genügen.
Eine grundlegende Bedingung für eine artgerechte Haltung von allen Reptilien ist die Größe und Beschaffenheit des Terrariums. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat am 10. Januar 1997 ein Gutachten über die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien herausgegeben. Diese Richtlinie ist nicht rechtsverbindlich. Sie sollen Tierhalter, zuständige Behörden und Gerichte bei der Entscheidung unterstützen, ob eine Tierhaltung den Vorschriften des Gesetztes entspricht. Seit 1997 ist viel Zeit vergangen, die Erfahrungen und Erkenntnisse der mittlerweile vielen Baumpython Haltern und Züchtern haben sich weiterentwickelt. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse und meinen eigenen Erfahrungen in den letzten Jahren weichen die Terrariengrößen in meiner Anlage von den Empfehlungen des Gutachtens ab. Speziell im Fall des grünen Baumpython sollte nicht der Grundsatz angewendet werden, je größer desto besser. Vielmehr muss die Terrariengröße an jede Wachstumsphase des Tieres angepasst werden. Es wird oft von Schwierigkeiten berichtet wenn gerade junge Baumpython zu früh in große Terrarien umgesetzt werden. Sie stellen plötzlich das fressen ein, häuten sich schlecht oder sind auch tagsüber aktiv. Diese Probleme lassen sich meist schnell wieder in den Griff bekommen wenn die Tiere wieder in ein kleineres Terrarium umgesetzt werden. Alle Terrarien und Racks die ich verwende sind von mir selbst geplant und gebaut. Es ist schwierig passende Terrarien für die Haltung von Baumpythons im Handel zu finden. Die Kosten für eine Anlage die eine Vielzahl an Tieren beherbergen soll wären aber sehr hoch und die Standard Maße der Terrarien würde es mir erschweren den wenigen Platz den ich zum errichten meiner Anlage zur Verfügung habe optimal auszunutzen.



Beschaffenheit der Terrarien

Ein Terrarium für Grüne Baumpythons muss hohe Temperaturen dauerhaft halten können, somit sollte es gute Isolationseigenschaften haben. Das schließt die Nutzung von Glasterrarien aus meiner Sicht aus, zumindest wenn sie ohne jegliche Isolation verwendet werden sollen. Am besten geeignet sind Holz oder Kunststoffterrarien, da beide Materialien die Wärme gut im inneren halten können. Für Holzterrarien werden meistens Siebdruck platten, OSB oder beschichtetes Spanholz verwendet. Siebdruck ist sehr teuer, aber aufgrund seiner Schwarzen Optik sehr beliebt. Darüber hinaus ist es strapazierfähig und Feuchtigkeitsbeständig, und muss nicht zusätzlich versiegelt werden. Ein Nachteil ist das es anfällig für Kalkflecken vom sprühen ist. OSB Holz ist dagegen deutlich preiswerter, ist aber auch optisch nicht gerade reizvoll und muss zusätzlich versiegelt werden. Beschichtetes Spanholz kann auch ohne Nachbehandlung verwendet werden, nur die Stoßkanten sind sehr anfällig dafür das dass Holz durch die Feuchtigkeit aufquillt. Weiße Kunststoffterrarien sind auch sehr beliebt bei vielen Chondrohaltern, da sie leicht sind und sich sehr gut reinigen lassen. Die sehr sterile weiße Optik ist Geschmackssache ich persönlich finde sie nicht so schön, für das darin lebende Tier hat es keine Nachteile. Für meine Terrarien verwende ich OSB Holz und versiegle es anschließend mit Epoxid Harz um es vor der Feuchtigkeit zu schützen. Bei der Belüftung von Terrarien wird klassischer weise die Zuluft in der Frontblende unter der Scheibe angebracht, und die Abluft an der Rückseite oder im hinteren Bereich der Decke. Bei der Größe sollte man darauf achten das die Zuluft immer etwas kleiner gewählt wird als die Abluft, da somit mehr Luft entweichen als einströmen kann entsteht ein Unterdruck der die Zirkulation erzeugt. Genaue Größen für Lüftungslöcher kann ich nicht angeben, grundsätzlich ist es sinnvoll die Lüftungen etwas größer zu machen, wenn man im Testlauf feststellt das zu viel entweicht ist es einfacher die Lüftungen etwas durch abkleben zu verkleinern, als sie zu vergrößern.


Unterbringung von Neonaten

Morelia Viridis / Baumpython Terrarium
Hier sieht man einen Teil meiner Rackanlage mit 3 Babys in den Rackboxen. Auf dem Bild haben sie ein Alter von 1,5 Monaten.
Bis zu einem Alter von ca. einem 3/4 Jahr halte ich meine Baumpython Jungtiere einzeln in einem Racksystem. Die Rackboxen haben eine Größe von 18,5x18,5x19 cm LxBxH. Jede Box ist mit einer kleinen Leiter ausgestattet die dem Tier die Möglichkeit gibt sich auf 2 ebenen mit unterschiedlicher Temperatur nieder zu lassen. Dem Laien wird das ziemlich klein erscheinen, aber dem ist nicht so. Durch die arborikole Lebensweise der Schlange nutzt sie nicht nur die Grundfläche des Behälters, sondern den Gesamten Raum. Um in den kleinen Behältern ein Temperaturgefälle zu erreichen beheize ich sie von der Hinterseite mit einer Heizmatte. Der Fühler des des Thermostates wird etwa in der Höhe der Obersten Leitersprosse ziemlich weit hinten an der Seitenwand befestigt, somit ergibt sich das Gefälle von hinten nach vorne zu den Lüftungsbohrungen. Die Luftzirkulation in den Boxen wird durch vier fünf mm Bohrungen im vorderen unteren Bereich und durch den Spalt zwischen Box und Rack sichergestellt. Die Belüftung ist absichtlich so gering gehalten, um die hohe Luftfeuchtigkeit die gerade für sehr junge Neonaten elementar ist über einen langen Zeitraum in der kleinen Box halten zu können. Trotz dieser minimalen Belüftung gibt es keine Probleme mit Staunässe oder Schimmel, auch das Tier ist mit ausreichend Frischluft versorgt. Binnen 24 Stunden ist die Box fast gänzlich abgetrocknet sodass ich nicht mehrfach am Tag die Feuchtigkeit durch besprühen erhöhen muss.


Terrarien für subadulte Baumpythons

Morelia Viridis / Baumpython Terrarium
Der Baumpython auf dem Bild ist 10 Monate alt und kurz bevor diese Aufnahme entstanden ist von der Rackbox in das Aufzuchtterrarium gezogen. Er wird jetzt ca. 1,5 Jahre in diesem Terrarium verbringen bevor er in sein Endterrarium zieht.
Gut zu erkennen ist auch das kleine 30er Heatpanel an der Terrariendecke.
Mit ca. einem 3/4 Jahr ziehen bei mir die Jungen Baumpython jede in ihr eigenes Aufzuchtterrarium. Die Jungen Schlangen haben jetzt ein Gewicht von ca. 80 - 100 g und können ihren nächtlichen Bewegungsdrang in der kleinen Box nur noch sehr eingeschränkt ausleben. Die Aufzuchtterrarien haben bei mir eine Größe von 50x40x45 cm LxBxH. Das sind die Innenmaße und somit der Raum der auch tatsächlich von dem Tier genutzt werden kann, und nicht die äußere Kantenlänge. Nach meinen Erfahrungen ist das eine ideale Größe für die Aufzucht. Die Tiere können ohne Schwierigkeiten bis zu einem Alter von 2 Jahren in den Terrarien gehalten werden bevor sie in ihr Endbecken umgesiedelt werden. Ein kleineres Terrarium würde die Aufenthaltsdauer verkürzen und wäre daher nur von sehr begrenzter Zeit einsetzbar. Bei einem größeren Becken besteht die Gefahr das sich die sehr jungen und kleinen Tiere nicht sicher genug fühlen und die schon angesprochenen Probleme auftreten können. Ein weiterer Vorteil dieser Terrariengröße ist das ich zur Beheizung kleine Heatpanels verwenden kann und sich somit auf einfache weise optimale Temperaturbedingungen herstellen lassen.


Terrarien für adulte Baumpythons

Morelia Viridis / Baumpython Terrarium
Ein Blick in ein 80x60x65 Terrarium. Auf dem untersten Liegeast liegt Ambrosius in der typischen Ruhehaltung.
Ab einem Alter von 2 Jahren ziehen die Tiere in ihr Endterrarium. Die Adulten Baumpython werden bei mir ebenfalls alle einzeln gehalten. Ich unterscheide bei der Unterbringung zwischen männlichen und weiblich Tieren. Die Männchen halte ich in etwas kleineren Terrarien als die Weibchen, das hat den einfachen Grund das sie kleiner bleiben und somit auch weniger Platz benötigen. Die Terrarien für Männchen sind 80x60x65 cm LxBxH und für die Weibchen verwende ich Terrarien mit den Maßen 100x60x65 cm LxBxH. Diese Größe ist ausschließlich für die Unterbringung von einem Tier geeignet. Bei Paarweiser Haltung würde ich Terrarien mit einer Länge von 120 cm bei gleicher Höhe und Tiefe verwenden. Ich habe mich von Anfang an gegen die Verwendung von Hochterrarien entschieden da die Beheizung dieser Becken einen höheren technischen Aufwand benötigt als bei der Verwendung von Standardterrarien. Ein weiterer Grund ist das der Baumpython das mehr an Höhe nicht oder nur selten nutzt, er bewegen sich mehr horizontal als vertikal demzufolge ist ein mehr an Breite sinnvoller als ein mehr an Höhe. Die Terrarien sind aus OSB Verlege Platten gefertigt. Dieses Pressholz ist preiswert und lässt sich gut verarbeiten, auch die Wärmeisolierenden Eigenschaften sind akzeptabel. In kühleren Räumen isoliere ich die Terrarien aber noch zusätzlich von außen mit Styropor Platten. Die Becken müssen allerdings von innen komplett versiegelt werden da die hohe Luftfeuchtigkeit das Holz in kurzer Zeit aufweichen würde. Beheizt werden sie wie alle meine Terrarien mit Heatpanels.


Terrarientechnik

Eine einwandfrei funktionierende und zuverlässige Terrarientechnik ist ebenso maßgeblich für das Wohlergehen der Pfleglinge wie die Größe der Terrarien und die tägliche Pflege. Hierbei gibt es nie den einen richtigen Weg, sondern verschiedenste Möglichkeiten der Beheizung, Beleuchtung und Steuerung. Ich möchte hier meinen Weg vorstellen und kurz erwähnen warum ich mich ggf. gegen einen anderen entschieden habe. Letztendlich muss jeder der sich für das Hobby Terraristik entscheidet ebenso intensiv mit diesem Thema beschäftigen wie mit der Tierart die er zu pflegen gedenkt, denn das Wohlergehen ist gerade bei den Wechselwarmen Tieren stark abhängig von der Verwendeten Technik und deren Funktionsweise.

Morelia Viridis / Baumpython Terrarium
Das sind meine Aufzuchtterrarien die alle mit kleinen Heatpanels ausgestattet sind.
Wärme:
Die Beheizung der künstlichen Lebensräume ist eines der elementarsten dinge in der Terraristik. Ein Großteil der Tiere die in Terrarien gepflegt werden stammen aus deutlich wärmeren oder tropischen Regionen der Erde. Die Wahl einer geeigneten Heizmethode sollte bei jedem Reptil genau abgewägt werden damit das Tier Bedingungen vorfindet die ähnlich denen an seinem Ursprungsort sind. Grundsätzlich sollte die Wärme in den Terrarien immer von oben kommen, ergänzend können aber auch Heizmatten oder Kabel am Boden Eingesetzt werden. Die Heizmatten können unterstützen die Grundtemperatur im Terrarium zu erreichen, oder auch um Bodensubstrat wieder abzutrocknen und dadurch die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Der Baumpython hält sich die meiste Zeit in den Oberen Regionen des Terrariums auf. Aus diesem Grund ist eine Wärmequelle ideal deren Hitze nicht so hoch ist und über eine Große Fläche abgegeben wird. Ein Heatpanel erfüllt genau diese Kriterien, es wird direkt unter der Terrariendecke befestigt. Durch die flache Bauweise fällt das Panel optisch in einem Terrarium kaum auf und muss durch die geringe Oberflächentemperatur nicht mit unschönen Schutzkörben oder Gittern gesichert werden. Für mich und auch für viele andere Halter und Züchter gibt es keine bessere Methode ein Baumpython Terrarium zu beheizen. Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung von Spottstrahlern oder HQI Lampen, diese licht erzeugenden Heizmittel sind natürlich nur für den Tag betrieb sinnvoll und nur in Kombination mit einer Heizmatte oder Kabel welche die notwendige Temperatur auch in der Nacht herstellen können. Die Verwendung von Strahlern erfordert etwas Erfahrung um das geeignete Leuchtmittel in der richtigen Watt stärke auswählen zu können. Die Strahler erzeugen meist eine Punktuelle Wärme die in einem Baumpython Terrarium 32 Grad Celsius möglichst nicht überschreiten sollte. Die Leuchtmittel müssen vor Berührung durch die Schlange geschützt werden. Von der Benutzung von Infrarot Dunkelstrahlern in Baumpython Terrarien möchte ich abraten. Dieses Heizmittel entwickeln eine Oberflächentemperatur jenseits der 400 Grad und müssen immer zwingend mit einem unschönen Schutzkorb gesichert werden. Ich habe schon auf Bildern Verbrennungen eines Baumpython gesehen der es geschafft hat in den Schutzkorb zu gelangen, die wenigsten Tiere würden das wohl überleben. Zusätzlich senkt die sehr hohe Oberflächentemperatur des Strahlers die Luftfeuchtigkeit im Terrarium, und die hohe Leistungsaufnahme ist nicht gerade stromsparend.

Morelia Viridis / Baumpython Terrarium
Auf dem Bild erkennt man im Hintergrund die Position des Fernfühlers. In diesem Terrarium habe ich ihn an der Rückwand mittig auf Höhe des obersten Liegeplatzes befestigt.
Steuern:
Jedes Heizmittel in einem Terrarium muss über ein Thermostat gesteuert werden. Hierbei gibt es zwei Varianten, dimmende und klassische ein / aus Thermostate. Das dimmende drosselt den Strom soweit runter bis das Heizmittel nur noch die Wärme erreicht die notwendig ist die eingestellte Temperatur zu halten. Das Heizmittel wird niemals völlig ausgeschaltet sondern ist kontinuierlich an und gibt Wärme ab. Die eingestellte Temperatur kann sehr konstant gehalten werden weil das Gerät auf ein absinken der Temperatur sofort reagiert. Diese Methode schont die Heizung und verlängert dadurch wahrscheinlich ihre Lebensdauer weil sie nie unter Volllast läuft. Klassische Thermostate schalten das Heizelement ab wenn die eingestellte Temperatur erreicht ist und wieder ein wenn ein bestimmter Wert unterschritten wird. Somit kommt es zu leichten Schwankungen der Temperatur was aber nicht schädlich ist sofern diese nicht über mehrere Grad Celsius gehen. Für Heizmittel mit hoher Leistung empfiehlt sich ein dimmendes Thermostat, es ist aber auch möglich solche Heizmittel mit einem Steckdosendimmer auf die benötigte Temperatur zu reduzieren und dann über ein klassisches Thermostat zu steuern. Den Fernfühler des Thermostats platziere ich ca. 15 bis 20 cm unter dem Heatpanel etwa in gleicher Höhe wie der Oberste Liegeast, dort ist dann der wärmste Ort im Terrarium. Ich achte darauf das die Position des Fühlers nicht durch das Tier verändert werden kann. Entweder verklebe ich den Fühler an der Rückwand oder lasse ihn einfach von der Decke baumeln. Auf dem Liegeast befestige ich ihn nicht da er sonst durch das Tier verdeckt werden kann und somit die Temperatur nicht mehr korrekt messen kann.

Morelia Viridis / Baumpython Terrarium
Licht:
Genau wie alle Dämmerns und Nachtaktiven Schlangen stellt auch der Grüne Baumpython keine besonderen Ansprüche an die Beleuchtung. Sie muss keinen UVA und UVB Anteil enthalten, was beispielsweise in der Echsenhaltung unverzichtbar für die Vitamin D3 Synthese ist. Der Schlange muss ein gleichmäßiger Tag und Nachtrhythmus zur Verfügung stehen so wie er in ihrer natürlichen Umgebung zu finden ist. Für den Grünen Baumpython bedeutet das 12 Stunden Tageslicht und 12 Stunden Dunkelheit. Die Lichtsteuerung lässt sich ganz einfach über eine Zeitschaltuhr umsetzen. Die Beleuchtung der Baumpython Terrarien braucht nicht gleißend hell sein da in seinem natürlichen Lebensraum durch die dichte Bewaldung auch nur wenig Sonnenlicht durchscheint. Die einfachste und effektivste Methode ist der Einsatz von Leuchtstoff Lampen. Durch die Länge der Lampen lassen sich die Terrarien optimal auch mit nur einer Lampe ausleuchten. Zudem sind sie sehr energieeffizient und haben eine hohe Lebensdauer und durch die geringe Höhe fallen sie optisch in einem Terrarium kaum auf. In meinen Terrarien verwende ich moderne T5 Leuchtstofflampen. Diese Lampen haben elektronische Vorschaltgeräte die ein flackern der Lampe verhindern. Leuchtstofflampen sind in verschiedenen Lichtfarben erhältlich. Um die natürliche Farbgebung der Tiere zur Geltung kommen zu lassen haben sich Leuchtmittel mit 6400 Kelvin bewährt. Ein wichtiges Kriterium ist das die Lampe für die Verwendung in feuchten Räumen geeignet ist, das erkennt man an der Aufschrift IP 44 oder IP 54. Die Lampe muss nicht mit Schutzkörben gesichert werden.